Der Wassertänzer – Ta-Nehisi Coates

Eigentlich sollte es gerade jetzt ein Buch der Stunde sein. Ein Buch, in dem Schwarze Leben so viel wert sein sollten, das mich beeindrucken und etwas lehren sollte. Hängengeblieben ist leider nicht so viel. Wirklich nachhaltig berühren konnte es mich aber leider nicht.

Ta-Nahesi Coates erzählt in seinem ersten Roman von Hiram Walker, dem unehelichen Sohn eines Plantagenbesitzers. Er ist jung, versklavt und schwarz, lebt auf ebenjener Tabakplantage in Virginia, die seine Mutter verkaufte, und überlebt während eines Unfalls seinen Halbbruder – ein Unfall, der sein Leben verändern soll.

Es ist schwierig in Worte zu fassen, was ich wirklich schwierig daran fand. Denn dass ich Coates Sprache gleichzeitig poetisch und kitschig fand, dass ich seine Langsamkeit schätze und seine Langatmigkeit als anstrengend empfand, entschuldigt eigentlich nicht, dass ich das Buch nie zu Ende lesen konnte. Es war grundsätzlich anstrengend für mich. Nicht wegen der Thematik, des Aufbaus oder der Erzähler. Hiram ist ein faszinierender Charakter und die anderen Figuren zumindest interesse-erregend bis spannend; Sein Hergang und seine Umgebung beachtenswert. Aber das alles zusammen mit der sensible, langsamen Art von Coates, diesen Roman aufzubauen und sprechen zu lassen, haben bei mich auf taube Ohren geschaltet. Seine Wortwahl, seine Sätze, Absätze und ganze Seiten, die ich übersprungen habe, sind mir einfach nicht im Gedächtnis geblieben, haben nichts in mir zum Klingen gebracht.

Der Roman ist für mich ein gescheitertes Experiment. Der intellektuelle Coates, der einen antirassistischen Roman schreiben wollte und dabei die Spannung und den Reiz des Romanformates nicht beachten wollte, stattdessen besonders korrekt und historientauglich erzählen wollte, hat es in meinen Augen nicht geschafft, mich zu begeistern, nicht einmal, mich genug zu fesseln, um alle seine Sätze zu lesen. Vielleicht ist er besser darin, kluge Sätze zu schreiben, die mit der Realität zusammenhängen, Sachbücher und Thesen zu einem unglaublich wichtigen Thema beizusteuern. Zumindest habe ich ihn in seinem Roman als klugen Kopf kennengelernt, der aber nicht die gleiche kreative Sprache spricht wie ich.

Vielleicht spricht er aber eure?


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