Die langen Abende – Elizabeth Strout

Ruhig, klein, beschaulich, ein wenig unbedeutend – so stellt man sich das Leben in einer Kleinstadt in Maine vor, in der Olive Kitteridge lebt. Und so ist auch der Roman, der eine Fortsetzung des Weltbestsellers nach Namen der Protagonistin sein soll. Am Ende ist es eine Sammlung von kurzen Einblicken in die Leben der Menschen, die den Lesern bereits begegnet sind – vermutlich. Leider habe ich den Vorgänger nicht gelesen und war der Meinung, auch ohne recht gut damit zurechtzukommen.

Das kann ich prinzipiell nicht in allen Punkten bestätigen. Abgesehen von seiner Vorgeschichte ist der Roman von Elizabeth Strout sehr schlicht und sucht kaum Konfrontation, alles klingend in sehr eigener Tonalität. Ruhig, beschaulich, ein wenig unbedeutend, eben irgendwie wie ein Herzensprojekt, das für die Fans geschrieben wurde. Ein Abtauchen in eine Welt, die schon vertraut ist, nur, um die wohlbekannten Namen wiederzuerkennen und die Geschichte Revue passieren zu lassen. Ab und an traut Strout ihren LeserInnen eine kleine Schale harten Tobak an, nur um dann schnell abzulenken und zurückzukehren in die vermeintliche Idylle von Crosby, Maine.

Ganz ehrlich: Ich fand es ein wenig schwierig, die kleinen Geschichts-Fetzen zu identifizieren und zuzuordnen, eben weil ich den Vorgänger nicht kenne. Im Nachhinein komme ich mir deswegen ganz schön blöd vor. Aber der Roman ist nichtsdestotrotz ganz okay zu lesen. Eben in diesem Maße nichts besonderes, keine Offenbarung. Eher eine ruhige Auseinandersetzung mit einem vermeintlich ruhigen Städtchen am Rande der Großstädte dieser Welt, die für sich selbst existiert und ruhig bleibt, egal was passiert. Die Figuren sind offensichtlich so gezeichnet, dass sie kaum mehr Erklärungsbedarf haben – nur für mich eben doch noch ein wenig.

Andererseits ein wahrscheinlich sehr gelungener Roman für Lange-her-Leser und Seit-Jahren-Auf-Die-Fortsetzung-Warter. Denn Strout gibt sich Mühe, subtil in eine Welt einzutauchen und ihr Innenleben mit den kleinen Alltäglichkeiten zu füllen, vielsagend und trotz der Monotonität einfallsreich. Für LeserInnen, die lange darauf warten, diese Menschen wieder sprechen zu hören, ist dieser Roman womöglich ein Geschenk. Für mich vor allem verwirrend und nicht besonders fesselnd.


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