Lese-Empfehlungen aus meinem Lesejahr 2019

Hier sind sie wieder: Wie im letzten Jahr begonnen, will ich auch in diesem Jahr wieder eine Liste der besten Bücher meines Lesejahres 2019 vorstellen. Der Rückblick auf ein ganzes Jahr ist dabei normalerweise eine große Herausforderung und die Auswahl der Top-Titel erst recht. Dieses Jahr begann der Januar jedoch mit einer massiven Leseflaute, die kommenden Monate rettete ich mit ReReads meiner liebsten Bücher, die ich euch auch hier vorgestellt habe. Nichtsdestotrotz sind auch diese hier willkommen und ich sehe es als meine Pflicht, für eure (hoffentlich nicht allzu bald aufkommende) nächste Leseflaute ein paar rettende Empfehlungen herauszukramen. Ab April kam auch bei mir wieder Schwung rein und die ersten richtig guten Bücher flatterten ins Haus.

Aber der Reihe nach. Die Aufzählungen mache ich einfach in der chronologischen Reihenfolge, in der ich sie in diesem Jahr gelesen habe, denn obwohl ich sie alle großartig fand, werde ich keinen Liebling herausstellen. Zumindest nicht in der Reihenfolge ihrer Erwähnung. Die mir zur Verfügung gestellten Rezensionsexemplare sind mit einem Stern markiert.

Die Eragon-Reihe

Man darf es mir verzeihen, aber ich halte die vier Eragon-Bücher meiner nostalgisch verklärten Ansicht nach für die beste Fantasy-Reihe, die ich je gelesen habe. Sie ist jung, behandelt Themen, die bis heute relevant bleiben, lässt Klischees außer Acht, liefert kluge und ausgereifte Frauenfiguren und einen Helden, der unperfekt ist, ohne sich selbst zum einzigen Programm zu machen. Die Bücher werden immer ein Teil meiner Leseprägung bleiben und sind ein Dauerbrenner der Empfehlung, speziell, aber nicht nur für jüngere Leser. Einen ganzen Beitrag dazu, weshalb ich denke, dass die Reihe mehr gelesen werden sollte, findet ihr hier.

Walter Moers

Ich mache es wieder: Einen Autoren empfehlen, der einfach wahnsinniges Talent beweist, und das in allen seinen Erscheinungen. Bei ihm bin ich mir immer sicher, dass das Geld sich lohnt, dass Herz zwischen den Zeilen schlummert und dass ich lachen, weinen und hysterisch werden muss. Seine Welt, Figuren und Zusammenhänge wachsen in einem selbst zu einem großen, warmen Klumpen zusammen und bleiben dort so lange aufgewärmt, bis neue Geschichten hinzukommen dürfen. Wenn ihr versteht was ich meine. Ein Autor für jede Lebenslage, für jedes Alter, für jeden Kopf und jedes Herz. Immer.

»Alles, was ich weiß, über die Liebe« von Dolly Alderton*

Ein Buch, von dem ich nie erwartete hätte, dass es Teil meiner Jahreshighlights werden würde, als ich seine Beschreibung las. Wieder eine Kolumnistin, die etwas mehr oder weniger Kluges zu sagen hat, dachte ich. Und seit ich es gelesen habe, kriege ich es nicht mehr aus dem Kopf und spreche mit meinen Freunden darüber, denke über Denkanstöße nach und an die vielen, unterschiedlichen Themen, die sie so klug und nachsichtig behandelt, während sie sich manchmal auch verhält, wie ein Elefant im Porzellanladen. Es ist witzig, charmant, über die Maßen ehrlich, horizonterweiternd und wichtig.

»Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste« von Philipp Schwenke

Eine Autorenbiografie wie keine andere: Fiktiv angehaucht, obskur und außergewöhnlich heldenverachtend. In ihrem Mittelpunkt: Der große Karl May, beeinflussbar, manipulativ und umgeben von einer Welt, die langsam durchschaut, wie der große sogenannte Indianer-Kenner und Reiseverrückte wirklich tickt. Geschrieben wie ein Enthüllungsroman, sehr spannend, mit einem fulminanten Ende, das begeistert. Große, große Empfehlung, auch wegen seine unwahrscheinlichen Komik, die den Ernst vieler Situationen beinahe zunichte macht und dennoch erst in die richtige Richtung lenkt. Ein rundum gelungener, durchdachter Roman mit interessanten und diversen Protagonisten.

»Alte, weiße Männer – Ein Schlichtungsversuch« von Sophie Passmann

Und wieder: Wie kommt das hierher? Streng genommen habe ich dieses Buch gehört und nicht gelesen und vielleicht ist es gerade deswegen ein bisschen höher auf der Favoritenliste gelandet, als ich gedacht hätte. Gelesen von der wunderbaren Sophie Passmann, die ihren Sommer 2018 mit Männern verbrachte, die mehr oder weniger Potenzial zum alten, weißen Mann haben. Sie sprechen miteinander über das titelgebende Phänomen, über unsere Gesellschaft im Speziellen und Allgemeinen, über Sophie, den Mann und die Welt. Wieder klug, schlagfertig und sehr humorvoll, mit Special Guests wie Herrn Passmann, Claus von Wagner, Robert Habeck oder Marcel Reif.

»All das zu verlieren« von Leïla Slimani*

Ein Roman, der in die Magengrube zielt und von toxischen Dingen erzählt: Slimani nimmt sich Themen an, die kaum jemand im literarischen Raum so erzählen kann, wie sie. Mit einem guten Schuss Unerschrockenheit und Ekel kommt Protagonistin Adèle in einer Welt überdeutlich nicht zurecht und hilft sich mit Männern. Vielen Männern. Ihrem Chef, ihren Kollegen, dem etwas eklig wirkenden Mann in der U-Bahn gegenüber, dem zu jungen Nachbarn oder sonst irgendwem, der eben verfügbar ist. Dabei muss man sich fragen, vor was man sich ekelt, vor was sie sich schützt, wen sie tief in sich versteckt und was für ein Mensch mit dieser Frau verheiratet ist. Brillant und herausfordernd, aber einzigartig.

»Die Welt der Drei Fragezeichen« von Christian R. Rodenwald

Ein Nischenbuch, aber muss ich dazu noch mehr sagen als dass ich als Fan diese Pflichtlektüre geradezu verschlungen habe, mehrfach? Besonders das Hörbuch, mit Stimmeneinspielungen der Interviewpartner, Originalsprecher, Autoren und Produzenten ist sehr, sehr, sehr empfehlenswert. Ein Faktensammlung verschiedenster Natur, gut aufbereitet und auch für langjährige Fans aufschlussreich.

»Die ganze Welt ist eine große Geschichte und wir spielen darin mit« von Charlotte Roth*

Überall habe ich dieses Highlight bereits angekündigt: Liebevoll aufbereitet erzählt Charlotte Roth die Geschichte des kleinen Michael, der in einer kaputten Zeit und Familie aufwächst und zum größten Kindergeschichten-Autor wird, obwohl er irgendwann mal Schauspieler oder Dichter sein wollte. Man spürt das Einfühlungsvermögen der Autorin in jedem Atemzug des fiktiven Michael Endes und seiner Mutter, seiner Frau, seinen Geliebten, Freunden und Bekannten. Die Zusammenarbeit mit Endes gutem Freund und Lektor Roman Hocke gibt dem ganzen einen Schwung, der kaum vergleichbar ist mit einer anderen Autorenbiographie, die ich zuvor gelesen habe. Deutliche, sehr deutliche Empfehlung, nicht nur für Fans!

»Laufen« von Isabel Bogdan*

Eine einfühlsame, demonstrativ stille, schmerzvolle Angelegenheit ist dieser Roman. In ihm sammelt sich der Verlust einer ganzen Welt, die nicht mehr sein wollte und lässt uns alle daran teilhaben, was es bedeutet, diesen frei gewordenen Platz ganz ungewollt selbst einnehmen zu müssen. In langen, unwirschen Sätzen, Verwirrungen und Abbrüchen kommt es zu einem Lauf, einer Zukunft entgegen, die niemand je wollte und die dennoch unaufhaltsam kommt – und es ist okay. Ein Kunststück, ein bravouröses Stück Literatur, das umhaut.

»Der Ernährungskompass« von Bas Kast*

Zu guter Letzt noch ein Sachbuch, über das ich zu Jahresende besonders nachdenken musste. Im Grund ein Thema, wie wir alle es schon einmal gehört, gesehen, gelesen haben und nichts neues. Dennoch; Fundamental habe ich über mich gelernt, über Essen und seine Zusammenhänge, Nicht-Zusammenhänge und Irrungen. Prägend, interessant und nie überfordernd nimmt sich Bas Kast eines Themas an, wie es zuvor noch niemand getan hat: Unparteiisch.

 

Das sind sie, die paar großen Favoriten, zu denen im kommenden Jahr noch viel mehr Großartigkeiten hinzukommen werden. Ich freue mich auf ein weiteres Jahr voller Bücher und Literatur, die die Welt verändert, auf euch Leser und Kommentierer, auf die Seiten, das Rascheln und die Geschichten.

Auf die nächste Dekade!


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