Die Sprache des Donald Trump – Bérengère Viennot

Donald Trump spricht wirr, dumm, überheblich, falsch, kindlich, unhöflich, rassistisch, frauenfeindlich, unüberlegt, unwitzig. Sobald er den Mund aufmacht, kann man vorhersagen, dass es nicht klingen wird, als spräche wirklich der Präsident der Vereinigten Staaten. Dabei steckt ein System hinter dieser Sprache, welches zu durchdringen äußerst interessant ist!

System – das ist womöglich bereits zu viel des Guten. Aber Trump ist nicht gewählt worden, obwohl er spricht, als wäre sein Kopf gefüllt mit Steinen, die nur selten ein wenig poltern, sondern vermutlich eben wegen diesem derart ungefilterten Sprachrohr. Gerade seine akute Twitter-Nutzung, die es ihm ermöglicht, jeden Gedanken am Editieren vorbei Hunderten Millionen Menschen täglich zugänglich zu machen, und seine Reden sowie sonstigen öffentlichen, häufig geradezu unpassenden, Gebärden bieten eine Angriffsfläche für Sprachwissenschaftler, Sprachexperten und, wie in diesem Fall, Übersetzer. Bérengère Viennot ist politische Übersetzerin und wird mit der neuen Generation Politiker, die Donald Trump einläutet, in gewisse Schwierigkeiten gebracht. Sie schreibt in diesem Buch von der Kontext-Abhängigkeit, von politischer Korrektheit und all dem, was Donald Trump allein anhand seiner Sprache unbedingt ungeeignet für seinen Job macht – und warum er dennoch keine Überraschung für die US-amerikanische Bevölkerung sein sollte.

Dabei geht sie auf die verschiedensten Details ein: Die falschen, weil abgemilderten, Übersetzungen seiner Aussprüche in den weltweiten Medien, die Nicht-Verbalisierung in Melania Trumps Kommunikation, das Problem des sogenannten white trash, Trumps womögliche Unfähigkeiten in Bezug auf Lesen und Schreiben, seine Auffassung von Lüge (und Wahrheit), sein Gottkomplex, gewisse Verbindungen zu gewissen Diktatoren (tot oder lebendig) oder sein (seltenes und deshalb umso bemerkenswerteres) Schweigen in unpassenden Momenten. All das erfasst Viennot anhand seiner prägnanten Sprache, die sie als Expertin seit Jahren analysiert und sogar wiedergeben muss. Zu Beginn sehr, sehr humorvoll, mit der Zeit immer ernster, gewählter, vorsichtiger.

Sie, Viennot, wählt hier eine interessante Rolle. Als französische Staatsbürgerin und geprägt von dieser Herkunft und Lebenseinstellung, sieht sie von außen auf ein Land, das sie versucht zu verstehen und zu Teilen daran scheitert. Nicht, weil sie es nicht verstehen kann, sondern weil es trotz Erklärungen wirr bleibt, weshalb ein ganzes und noch dazu sehr machtvolles Land all das Gesagt bleiben lässt. So kann sie uneingeschränkt Partei ergreifen – gegen Trump. Und das darf man sich nie nicht vor Augen halten. Das ganze essayartige Buch trieft vor einer gewissen Verachtung für den Mann und bezieht klare Positionen. Für jemanden wie mich, der in Deutschland lebt und ähnliche Meinungen und Ansichten vertritt wie die Autorin, ist dieses Buch ein Hilferuf nach Veränderung, der nicht viel ausrichten kann.

Denn das zentrale Problem, das Viennot beschreibt, ist die Verachtung der versnobten Linken, der Intellektuellen und politisch Korrekten, die seit Jahrhunderten den Präsidentensitz innehielten. Jetzt sitzt da der selbsterkorene Mann des Volkes, der ausspricht was er denkt und kein Blatt vor den Mund nimmt. Und das ist ohne Frage ein Problem in einem Beruf, der verlangt, diplomatische Beziehungen langfristig und friedlich aufrechtzuerhalten. Viennot geht mit diesem Text auf diese verhasste Linke zu und wagt einen Erklärungsversuch, während sie wie bereits erwähnt klare Partei ergreift. Das trägt natürlich auf eine gewisse Weise zur Problematik bei, jedenfalls schlichtet sie sie nicht, bietet aber auch einem Großkotz Gegenwind, der heute zu oft das letzte Wort behält.

Das im Hinterkopf behalten sind ihre Ansätze dennoch sehr, sehr humorvoll erzählt und ihre Beschreibungen akkurat und präzise, wie man es von einer Übersetzerin erwartet. Ihre ernste Seite demonstriert sie in klugen Überlegungen zu Zukunft und Herangehensweise an die akute Situation Casa Trump. Verbunden in kurzen, prägnanten Kapiteln kommt dabei ein Buch heraus, das jeder, der den November 2016 noch immer nicht verdaut hat, lesen sollte. Nicht nur, um besser zu verstehen, was Sprache in der Politik so wichtigmacht, sondern auch, um in die angespannte Situation ein wenig Humor zu bringen und spielerisch den Mann zu analysieren, der selbst nichts und niemanden mehr ernst nimmt als sich selbst.


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