Alles was ich weiß über die Liebe – Dolly Alderton

Mein erster Gedanke, als ich das Cover gesehen habe, war, dass das ein Roman ist, der eine Liebesgeschichte erzählt, potenziell langweilig und klischeebehaftet. Mein erster Eindruck, als ich hineingelesen habe, war, dass es mich an Sex and the City erinnert, bloß ohne die prätentiösen Phrasen und Halbwahrheiten, die Carrie vor sich herträgt. Die ersten Gedanken, die ich mir gemacht habe, als der erste Eindruck verarbeitet war, hingen damit zusammen, dass Dolly Alderton zwar die Wahrheit schreibt, aber dass diese Wahrheit keine Verbreitung suchen sollte, bloß um verständlich zu wirken und Verbundenheit vorzugaukeln. Und dann kamen die ersten Kapitel, die mich sprachlos zurückgelassen haben, weil sie mit einer Tiefe geglänzt haben, die unerwartet ehrlich und reflektiert von einem Leben erzählten, das unsicher auf den Beinen wackelt, um erst nach und nach Sicherheit zu finden und Freunde und irgendwann die Liebe.

Aber der Reihe nach. Dolly Alderton hat hier ein Buch geschrieben, das noch seine Bezeichnung sucht. Zusammenstellung von Kolumnen? Lebenszwischenbericht? Abschnittsverfolgung einer jungen Frau auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens? Unser aller Leben, komprimiert zwischen kluge Beobachtungen und Einstreuungen von persönlichen Details, die einem Leser helfen können, die eigene Nase wiederzuerkennen? Irgendwie sowas, vielleicht ganz anders. Sie hat es geschrieben und sie hat sich selbst zwischen die Seiten gepresst, sodass es sich anfühlt, als wären sie getränkt von ihrem Parfum, das während der Lektüre angenehm die Luft benebelt. Ich konnte sie kaum aus der Hand legen, wie ein Gespräch mit einer Freundin, für das es keinen guten Zeitpunkt gibt, es abzubrechen, also redet und redet und redet man, bis die Nacht vorüber ist und die Weingläser geleert in Händen gedreht werden, obwohl der letzte Tropfen längst am Boden der Flasche festgetrocknet ist.

Es beginnt mit MSN, Jugendlieben und der besten Freundin, die im Internat die Jungs der anderen Schulen anhimmeln. Die Freundinnen werden größer, entdecken, dass man mit Jungs mehr machen kann, als nur anonyme Online-Unterhaltungen zu führen, in denen man oberflächliche Bedeutungslosigkeiten austauscht, und dass diese Jungs zu Männern werden, wie man selbst zu Frauen heranwächst. Diese Frauen entdecken Partys, Alkohol, die junge wilde Zeit, dann erste Verpflichtungen, erste Lieben und erste Herzensbrüche. Irgendwann, in einem schwierigen Prozess, ist der Kummer vorbei und die Mädchen lernen, dass mehr dazu gehört, erwachsen zu sein, als bloß alt genug zu werden. Sie geben aufeinander acht, verlieben sich neu, beginnen neue Leben überall in der Stadt, im Land oder auf der ganzen Welt. Und plötzlich passieren Dinge, die zum Leben dazugehören, zur Liebe, zur Freundschaft. Schöne Dinge, schreckliche Dinge, traurige Dinge, langweilige Dinge, außergewöhnlich und gewöhnlich zugleich.

Und es ist so gut, genau so. Als Leserin ist man wie auf einem Trip durch den Kopf und das Herz von Dolly, wie sie erlebt, was Freundschaft und Liebe bedeuten, dass es für unterschiedliche Menschen unterschiedliche Leben und Lieben geben muss und dass sie selbst ihre beste Freundin sein sollte. Sie findet zur Liebe, ganz unkonventionell und nicht endgültig, erlebt sie ganz klar und deutlich. Und als Leser bleibt da eine Dankbarkeit zurück, diese Geschichte einer jungen Frau erlebt haben zu dürfen, als wäre es die eigene.

Sie bringt einen dazu, das eigene Verhalten zu betrachten und sich zu fragen, ob das das Leben ist, das man leben will und ob das die Menschen sind, mit denen man dieses Leben verbringen möchte. Ich habe es gelesen und Gefühle entdeckt, für die ich mich vielleicht schon geschämt habe, die ich für blödsinnig hielt oder für unnötig. Und Alderton hat mit gezeigt, wie wichtig diese Gefühle sind.

persönlich, und das ist irgendwie ein persönliches Buch, deswegen würde ich es persönlicher empfehlen, finde, dass dieses Buch und die Worte, die Alderton findet, ganz bewusst gelesen werden sollten. Im Moment will ich, dass alle meine engsten Freunde dieses Buch lesen, weil ich uns darin finde, wie man sich manchmal verliert, an andere Menschen, an die Welt, an die Zeit, aber auch, wie wir uns immer wiederfinden, weil das die Liebe ist, von der sie schreibt. Am Ende will ich, dass es alle lesen, die besondere Freunde haben, und die ein Buch über Freundschaft und das Leben lesen wollen. Eigentlich ein Buch für alle, weil alle dieses Gefühl kennen oder kennenlernen sollten, was es bedeutet, wertgeschätzt zu werden und sich geliebt zu wissen.

Und dieses Gefühl ist unbezahlbar.

 

 

 

 

* Das Buch ist ein vom Verlag bereitgestelltes Rezensionsexemplar. Der Beitrag ist aber in keiner Weise mit dem Verlag assoziiert und enthält keine bezahlte Werbung.

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