Die Stadt der Träumenden Bücher – Walter Moers

Wer mir auf Social Media Seiten folgt, der wird es schon wissen, und wer das nicht tut, dem sei es nun verraten: Bei mir ist seit 2017 wieder das Moers-Fieber ausgebrochen. Schon lange vor Prinzessin Insomnia war er einer meiner Lieblingsautoren, der immer die Dinge auf den Punkt bringen kann, mit wahnsinniger Fantasie und mit Feingefühl Welten und Figurenleben erschafft, wie es ihm keiner nachmachen kann. Moers ist ein Meister. Seit er nun also wieder neue Geschichten veröffentlicht, zuletzt die Weihnachtsgeschichte auf der Lindwurmfeste, bin ich in einen Strudel aus Neulesen seiner Klassiker geraten. Und seine Klassiker sind nun einmal alle seine restlichen erschienen Bücher, ohne eine einzige Ausnahme.

Am 25. März erscheint eine neue Geschichte im Rahmen der Träumenden-Bücher-Reihe: Der Bücherdrache. Um bis dahin allen Unentschlossenen auf die Sprünge zu helfen, werde ich in den nächsten Wochen bis Erscheinungstermin die beiden originalen Titel nach Hildegunst von Mythenmetz hier vorstellen – weil jeder Moers gelesen haben sollte und weil jeder, der Bücher liebt, die Träumenden Bücher lieben wird.

Aber der Reihe nach.

Die Stadt der Träumenden Bücher ist der erste Teil von Walter Moers‘ Erfolgsreihe. Und schon der Beginn ist pur ikonisch:

„Hier fängt die Geschichte an. Sie erzählt, wie ich in den Besitz des Blutigen Buches kam und das Orm erwarb. Es ist keine Geschichte für Leute mit dünner Haut und schwachen Nerven – welchen ich auch gleich empfehlen möchte, dieses Buch zurück auf den Stapel zu legen und sich in die Kinderbuch-Abteilung zu verkrümeln.“

Der erste Satz, den Hildegunst von Mythenmetz hier gleich zu Beginn anführt, ist auch der Auslöser all dieser abstrusen Ereignisse, die folgen. Sein im Sterben liegender Dichtpate Danzelot von Silbendrechsler überreicht ihm den Grund dafür, weshalb er sein Lebtag lang nicht mehr schrieb als einen Gartenratgeber: Den Brief eines unbekannten jungen Autors, der so perfekt ist, pure Literatur und Bibliophilie, versteckt in einem Thema, das fast an Blasphemie der Lindwurmfeste grenzt, nämlich die Angst vor dem leeren Stück Papier. Mythenmetz liest ihn und beschließt postwendend die Behaglichkeit der Lindwurmfeste zu verlassen und diesen Autor zu finden, der schreiben kann, wie sonst niemand. Er macht sich auf den Weg nach Buchhaim, dem Zentrum allen Buch-Seins, wo ein Autor ankommt, um gelesen zu werden.

Mythenmetz verstrickt sich so in einem Abenteuer, in dem es von Bücherjägern und Gefährlichen Büchern nur so wimmelt, in dem eine ganze Stadt sich nur dem Buchwesen widmet, in dem unterirdische Katakomben ihm nach dem Leben trachten, in dem er die Buchlinge trifft und sie ihn lehren, was gute Literatur ist, in dem er dem Schattenkönig begegnet, in dem er mehr als einmal um sein Leben kämpfen muss, in dem er lernt, was das Orm ist, in dem er verstehen muss, was Literatur eigentlich bedeutet, und in dem er einem Gegner gegenübersteht, der nicht nur sein eigenes, sondern außerdem das Leben aller Künstler, Dichter und Buchliebhaber in Gefahr bringt.

Die Geschichte knackt, vibriert und bebt nur so von purer Leidenschaft zum Buch, zum Lesen und zu außergewöhnlichen Geschichten. Sie ist gespickt von klassisch Moers’schen Aufzählungen, von liebevollen Literatur-Anspielungen und Beschreibungen lebendigsten zamonischen Lebens, des Kontinents der ausgebrochenen Fantasie.

Walter Moers hat das Orm erfunden, und er trägt es in sich, das ist nicht zu leugnen. Seine klug gewählten Worte und Beschreibungen, seine fantastischen Szenenübergänge, seine Figuren, seine Erzählweise und Perspektive, seine Liebe zu Detail, sein Alles: Sie tragen nur dazu bei, mit Sicherheit zu behaupten, dass Walter Moers das Orm in sich trug und trägt, als er die Stadt der Träumenden Bücher schrieb. Das sind knappe 450 Seiten Liebe zum geschriebenen Buch.

Ein Roman, der außergewöhnlicher nicht sein kann. Und ein Buch, das ich uneingeschränkt und für immer jedem empfehlen kann. Es ist Fantastik, Gesellschaftskritik, Belletristik, Bibliophilie, Humor und Action zugleich und bietet obenauf noch eine gute Menge schönklingender Poesie. Ob man nun diese Sprachspiele wertschätzen kann (oder huldigen, wie ich) oder sie einfach wohlwollend überliest, weil die Handlung so packend ist, sei, ehrlich gesagt, jedem überlassen. Man kann die Stadt der Träumenden Bücher immer wieder besuchen, alt wird das Ganze sicher nicht.

Und es ist immer ein bisschen, wie nach Hause kommen.

 

 

 

 

 

* Das Buch ist ein vom Verlag bereitgestelltes Rezensionsexemplar. Der Beitrag ist aber in keiner Weise mit dem Verlag assoziiert und enthält keine bezahlte Werbung.

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