Du sagst es – Connie Palmen

Ursprünglich von mir als Zwischen-Lese veranschlagt, als Übergangslösung, bis das nächste Wunschbuch auf mich einschlagen sollte, haben mich Palmens Worte, ihre Perspektivenansicht und Simplizität geradezu überrannt.

Du sagst es erzählt die Geschichte von Ted Hughes und Sylvia Plath, zwei Dichter des 20. Jahrhunderts, deren Liebesbeziehung nicht nur öffentlich durch beiderseitigen Ruhm und wachsende Bekanntheit unter ständiger Beobachtung der Öffentlichkeit steht, sondern die auch noch in einem (bekannten) tragischen Tod endet, der die Odyssee der beiden auf grausame Weise komplettiert. Sie finden jung zueinander und heiraten, Sylvia wird geradezu in die Rolle der Ehefrau und bald Mutter gedrängt und sieht sich verängstigt mit einer Zukunft ohne dichterischen Ruhm, nach dem sie sich sehnt, und mit einem berühmten Ehemann voller Umschwärmerinnen konfrontiert. Noch dazu mit immer wiederkehrenden, beziehungsweise nie nachlassenden, Depressionen kämpfend, steht die Liebe der beiden unter einem Stern, der bald unterzugehen droht.

Persönlich habe ich zuvor weder die bekannten Werke der Sylvia Plath, noch ein einziges Gedicht von Ted Hughes gelesen und beide waren mir nur als bloße, zugegeben große, Namen bekannt. So konnte ich mit einem unvoreingenommenen Blick diese herzzerreißende Geschichte verfolgen und mich mit einem Ted Hughes anfreunden, der seine Sicht auf die Dinge dem großen Meinungspool der Öffentlichkeit beisteuert, die sich auf Sylvias Seite geschlagen hat und Hughes geradezu als Bösewicht verteufeln. Doch die Worte, die Palmen so selektierend und bedacht wählt, bringen eine Gefühlswelt zum Vorschein, die der eines tragischen Dichters wohl am nächsten kommt. Die Trauer, die flammende Liebe, die Verbundenheit, Intimität und unbedingte Vertrautheit der beiden ist eine einzigartige Verflechtung von Unwahrscheinlichkeiten, die zusammengenommen ein Ganzes ergeben, und das gibt uns Palmen mit einer faszinierend ungezwungenen Sprache wieder.

Es ist gut recherchiert, es ist fesselnd, es ist definitiv nicht einfach hinnehmbar, es beschäftigt und regt zum Nachdenken an und, und das ist mir so, so wichtig: Es ist ganz und gar nicht rechthaberisch, arrogant, selbstverherrlichend oder rechtfertigend. Sie gibt einem Dichter bloß eine neue Stimme, die eine Geschichte von einer Seite aufrollt, die zuvor kaum jemanden zu interessieren schien. Es ist ein Fest der Liebe, die nicht perfekt ist, es ist eine Demonstration der Individualität in Literatur und Leben, es ist eine Schaubühne menschlicher Abgründe. Und in der Erzählung kommt es vor, die Beteiligten allesamt grausam zu verurteilen, zu verachten, eine Schuld zu beschließen oder abzulehnen und das ist gut so. Denn nur so kann eine Vielseitigkeit erreicht werden, über die sich diskutieren lässt. Und über ein Dichterehepaar, das mit dieser außergewöhnlichen Geschichte unsere eigene Geschichte bereichert hat, lässt sich wunderbar streiten, frohlocken und auch weinen und verzweifeln. Und das macht es zu einer so guten Geschichte.

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