Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Milan Kundera

Fast schon ein Klassiker der modernen Literatur, fast schon altes Eisen aus dem letzten Jahrhundert, dennoch durchaus zeitlos: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Vor der Kulisse des russisch besetzten Tschechiens erzählt Milan Kundera die Geschichte zweier Liebenden, die der Konventionalität davonlaufen und in einem Milieu verschwinden, das kaum noch definierbar bleibt.

Sex, Drugs and Rock’n’Roll – so stellt man sich das typische Junggesellendasein eines Frauenhelden vor, der alles will und alles bekommt. Tomas ist einer von ihnen. Verliebt in den weiblichen Körper, süchtig nach der Eroberung immer neuer, immer abenteuerlicherer Frauen, die seine Sammlung an Außergewöhnlichkeit komplettieren sollen. Und dann ist da noch Teresa. Sie ist die Liebe seines Lebens, die einzige Frau, die neben ihm schläft und seine Hand hält. Und noch dazu die einzige Frau, die mit den anderen Frauen leben muss.

Was für sie ein Albtraum ist, jede Nacht der gleiche, ist für ihn ein Bedürfnis. Er kann nicht anders. Wie sie ihm nicht guten Gewissens untreu sein kann, kann er nicht treu sein. Schrecklich für Teresa, aber auch für Tomas, der das Unglück seiner Geliebten kaum ertragen kann. So finden die beiden sich in einem undurchbrechbaren Teufelskreis wieder, der sie in ein Unglück stürzt, während beide so tun, als wäre es ein alltägliches Gefühl. Denn ohne einander können sie nicht.

Was klingt, wie eine Romanze ohne Tiefe entwickelt sich im Verlauf des Romans zu einem philosophischen Diskurs über Liebe, Verzweiflung, Krieg, Macht und Verlangen. Mit wunderschönen, ästhetischen Worten, ich kann es nicht anders benennen, umschreibt Kundera eine Welt jenseits des Krieges, einen Krieg im Krieg, der den Krieg widerspiegelt. Umständlich ausgedrückt. Der Erzähler tritt gekonnt aus seiner schweigenden Rolle und kommentiert elegant das Geschehen, unterschiedliche Beschreibungsmittel ermöglichen differenziertes Aufnahmevermögen und Bilder von einer Tragweite, die umwerfen. Stellenweise sogar leicht verwirrend, vielleicht unlogisch, aber immer symbolisch behaftet.

Stark metaphorisch erzählte Kriegs- und Nachkriegserzählung mit unendlichen Bedeutungsebenen, die immer auch einen Alltag zeigen, der komplexer kaum sein könnte. Ein wenig murakamisch, eine Prise historisch, eine große Portion pointierte Sexualität, die Tabus bricht und herausfordert.

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