Der Name der Rose – Zweiter Teil: Der Film von 1986

Ich sollte mich nicht als ausgesprochene Filmkritikerin darstellen, es ist mir durchaus bewusst, dass ich dessen nicht mächtig bin. Dennoch finde ich den Austausch über solche Thematiken wie die Umsetzung literarischer Vorlagen in Film unfassbar interessant. Also, bitte widersprechen, erklären, zustimmen, erweitern, über einen Dialog freue ich mich bei solchen Beiträgen immer sehr!

Wie beginne ich eine Filmkritik? Ich möchte es recht persönlich halten, und viel von mir sprechen, weil ich nicht fähig bin, tatsächliche Details zu Schauspielkunst und Darstellungsgehabe zu analysieren, ich werde vom Filmerlebnis und vom Buch sprechen, anders kann ich es wohl nicht.

Der Name der Rose, ein Klassiker unter Umberto Ecos Romanen, bekannt in der ganzen Welt, und nicht einmal halb so berühmt wie seine spätere Verfilmung. Mit schaurigen Bildern, einer ausgesprochen guten inhaltlichen Wiedergabe, mit einer Maske, die mich immer wieder erschaudern ließ und einem guten Spannungsbogen schaffte der Film es, die Massen zu fesseln und zu überzeugen. So sehr, dass die Verfilmung bei den meisten noch viel bekannter ist, als seine Vorlage.

Was diese ja nun absolut nicht verdient hat. Immer wieder hatte ich während des Verlaufes das untrügliche Gefühlt, dass wichtige Details fehlten, dass die Namen viel zu selten in ihren Zusammenhängen auftauchten, dass das Ende und das, was dazu führen musste, nicht besonders klar wäre, hätte ich nicht den Roman gelesen. Das Gefüge im Original ist recht komplex, es handelt von philosophischen Differenzen und Auseinandersetzungen, die die damalige Zeit erschütterten, verpackt in einem außergewöhnlichen Krimi-Szenario. Das ist meiner Meinung nach nicht besonders gut gelungen. Ein Beispiel? Urplötzlich wurde die Debatte über die Armut Christi eröffnet, die literarisch den einen Zweck hat, William von Baskerville, unseren Sherlock Holmes und Meister des jungen Adson, in eine missliche Lage zu versetzen, bei der er als Botschafter zweier sich gegenüberstehenden Parteien fungieren und seine Intelligenz erproben musste. An anderer Stelle weiß man nicht genug über die jeweiligen Toten, wer sie sind, wofür sie sterben, wie sie sich selbst in ihre Lage brachten, und wer schlussendlich dem dunklen Plan eines Mörders anheimfiel. Das wird zwar kurz erläutert, aber die wahren Zusammenhänge des Romans werden doch arg verkürzt.

Andererseits ist der Film äußerst bildgewaltig und reizt durch seine ureigene Schaurigkeit. Wo die eigene Fantasie teilweise versagt oder, wie bei mir, verschleiert, zeigen die Bilder hier gnadenlos die Leichen, Bluttröge und Giftwirkungen. Nicht einen Moment kamen mir diese Bilder in den Kopf, während ich Ecos Zeilen las. Im Gegenteil, ich sah die Vorlage beinahe locker leicht und humorvoll daherkommen, eine Art, die der Film vollkommen außer Acht lässt – auf eine durchaus positiv wirkende Weise! Ein ausgezeichneter Halloween-Film, wenn man mich fragt.

Im Prinzip ist der Film in Ordnung, gut zu sehen und alle wichtigen Handlungsstränge sind präsent. Die Schauspieler machen ihre Sache gut, die Bilder und Kostüme sind wirklich wunderbar passend. Dennoch; An die Romanvorlage kommt er nicht heran. Oder wie seht ihr das?

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