So und jetzt kommst du – Arno Frank

Der eigene Vater ein Hochstapler – nach einer wahren Geschichte, so verkündet es der Buchrücken. Ich bin von Anfang an skeptisch, weil ich mal wieder in mein nicht gerade beneidenswertes Muster verfalle und das Cover schrecklich aufgemacht finde, mich das Buch an sich also nicht anspricht. Es erinnert mich an DDR, an eine Gedenkschrift oder etwas in die Richtung. Und doch wage ich mich an das Ding heran, nicht zuletzt wegen der Challenge #SuBdenSommer, die mich dazu zwingen soll, sämtliche Bücher meines Stapels ungelesener Exemplare abzuarbeiten. Ein großer Schritt ist getan. Und ich bin verwirrt von Arno Frank.

In vier Teile aufgeteilt erzählt der Roman die Geschichte einer Familie, die sich selbst das Beste sucht und immer tiefer in die Scheiße reitet. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Der Vater verrückt, die Mutter willens-, die Kinder ahnungslos. Der Vater ist von Anfang nur hinter Geld her, mehr und mehr und mehr, je mehr desto mehr. Doch die Familie ist und bleibt arm, in einer Weise, die Verschwendung nicht zulässt. Diese wird aber exzessiv übertrieben. Der Vater will leben wie der größte König, die Mutter will all das, was der Vater will, und die drei Kinder, vor allem Arno, der Älteste und Autor, müssen dem Vater blind vertrauen, einfach weil sie a) keine andere Wahl haben, sie sind schließlich nur Kinder und b) sie nicht die leiseste Ahnung haben, was passiert. Auf hohem Fuße wandert die Familie aus nach Frankreich, doch das Glück soll nicht von Dauer sein, der Vater versucht das Geld noch durch Glückspiel zu retten, eine offensichtlich hirnrissige Idee, es hilft nicht. Das Geld ist alle, muss es früher oder später heißen, das wissen alle, doch die Ignoranz bleibt stärker. Mann beachtet die Verwahrlosung nicht, man bleibt beim bewährten Geldausgeben, doch lange kann es nicht gut gehen.

Ich muss sagen, bis zur Hälfte hat das Buch mich noch immer nicht im Mindesten gepackt. Ich verstand nicht den Sinn der Vorgeschichte, die erste Etappe war zwar sinnvoller, doch vollgeladen Unnötigem, voller Klischees und Situationen, scheinbar nur niedergeschrieben, um zu zeigen, was für ein Vollidiot der Vater war. Geblendet und hochmütig, das fasst ihn wohl bestens zusammen. Unnötig zu sagen, dass die Persönlichkeit des Vaters mich ausnahmslos wütend gemacht hat. Die machtlose Familie, die nicht anders kann, als mit ihm die Brücke hinunter zu springen, dem harten Beton der Wahrheit entgegen. Und das ist, ebenfalls zweifellos, wohl auch der Sinn der Sache. Wäre der Vater ein sympathischer Mittvierziger-Kerl in seiner Midlifecrisis und nicht mehr, dann wäre dieser Roman, die unglaubliche Geschichte, nie zustande gekommen. Und es ist nicht nur der Vater. Es ist auch die daumenlutschende, hilflose Mutter, die kindlicher wirkt und lebt, als ihre drei Kinder, eins von ihnen ein Säugling. Sie verfällt schnell der Melancholie der Langeweile und Hilflosigkeit und wird lethargisch. Und die Kinder. Der Älteste macht mich wütend, das Mädchen verwirrt, und der Säugling ist wohl der charakterstärkste Typ der Familie.

Doch ich will nicht nur Negatives darüber sagen. Denn am Ende habe ich tatsächlich geweint, weil ich so froh war, froh, dass es alle möglichst aus dieser Farce hinausschaffen, alle endlich ein normales Leben gewinnen, endlich zur Besinnung kommen. Franks Schreibstil entwickelt sich mit der Geschichte, so scheint es mir, und vielleicht ist das, so in Retroperspektive gedacht, vielleicht auch intentioniert. Platt und umfassend nichtssagend beginnend und berührend befreiend gegen Ende. Ich empfehle, das Buch im Ganzen zu lesen und nicht nach der Hälfte abzubrechen, wie ich es allzu oft im Sinn hatte. Vielleicht liegt es auch nur an mir und der Stil entspricht nicht meinem Gusto, weshalb ich diese Rezension sehr persönlich halte. Denn ich erwarte, dass das Buch vielen gefällt, die sich nicht an zu viel Geschehen aufhängen, das nicht unbedingt das Potenzial hat, die Geschichte zu verändern.

Doch was mich doch stört ist, dass nichts von Arno Franks offensichtlich vorhandener Intelligenz in diesem Stil wiederfindet. Ich habe einige seiner Artikel gelesen, die ich wirklich sehr gut fand, umfassend darstellend, präzise erfasst, mit den richtigen Worten ergriffen. Das hat mit einfach gefehlt.

Zu viel Geschwafel, wäre die Hälfte gekürzt gewesen, ich hätte es für einen neuen Bestseller gehalten. Schade.

 

Aber was denkt ihr? Schreibt mir doch bitte eure Meinung in die Kommentare, ich würde gerne mehr darüber wissen, ob das Buch solche Kontroversen in anderen Lesern aufwirft, wie in mir.

 

Buchinformation:
Arno Frank: So, und jetzt kommst du; Roman
Tropen, 1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-608-50369-2

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