Timeline – Michael Crichton

Diesen Science-Fiction Roman habe ich vor einigen Jahren bereits einmal gelesen, als ich noch jünger und, zugegebenermaßen, etwas leichter zu beeindrucken war. Ohne große Erwartungen ging ich die ersten paar Kapitel an und war – schwupps – wie gefangen. Er verschlingt einen, drängt, gelesen zu werden, verstanden zu werden, empfohlen zu werden.

Damit meine folgenden Sätze verstanden werden können: Alles dreht sich um eine Gruppe von Historikern, deren aktuelle Forschungsstätte auf französischem Gebiet gesponsert wird von einer rätselhaften Firma, die sich ITC nennt, welche sich, grob ausgedrückt, mit Quantentechnologien beschäftigt. Mit der Zeit häufen sich seltsame Vorkommnisse an der Ausgrabungsstätte an, ITC scheint bei seinen Anstandsbesuchen mehr über die Vergangenheit zu wissen, als sie sollten. Der Professor fliegt nach Mexiko, um in Erfahrung zu bringen, was hinter diesem großen Namen ITC versteckt wird. Nach einigen Tagen seiner Abwesenheit finden die Forscher in den Ruinen etwas schier Unglaubliches: Eine Notiz des Professors, aus dem Jahre 1357. Was sie anfangs als schlechten Scherz deuten, entwickelt sich rasant zu einer Reise in längst vergangene Zeiten, die womöglich nicht so vergangen sind, wie wir es vermuten.

So unglaublich intelligente und sachverständige Fiktion zu lesen ist selten. Michael Crichton schafft es, dass ich ihm alles, wirklich alles, was er schreibt, glauben könnte. Kein Wunder, immerhin ist er auch der Autor von Jurassic Park, wen verwundert dann noch, dass alles, was er schreibt, diesen hohen Maßstäben entspricht? Damals, beim ersten Lesen, mit 13 oder 14 Jahren, glaubte ich daran, dass dieser Autor einen Zweig der Physik entdeckt hatte, der meine kleine Welt verändern würde. Mir kam zumindest keine Erklärung in den Sinn, weshalb nicht alles in diesem Buch stimmen sollte. Ich glaubte Crichton jedes einzelne Wort und sog all dieses Fachwissen zu Quantenmechanik und Geschichte auf, ohne dass ich vorher an einem von beiden irgendein Interesse gezeigt hatte.

Der Zauber dieses Romans liegt in der Verbindung von hochmoderner Wissenschaft von heute auf der einen und erlebter Geschichte auf der anderen Seite. Diese längst vergangenen Welten, zwar brutal, ekelerregend und meinetwegen auch veraltet, sind doch mit einer Schärfe gezeichnet, die all das Aufgezeichnete aus den Schulbüchern zur Wirklichkeit auferstehen lassen. Niemals zeigte man mehr Interesse für das Mittelalter, wie man es in den Momenten tut, wenn André Marek, einer der Wissenschaftler, von den Gegebenheiten des Hundertjährigen Krieges berichtet – und man sofort danach mitten drin steckt. Unfassbar beschrieben, ersteht die Grobheit dieser Zeit wieder auf, Morde, Qualen, Todesstrafe, alles Alltag, nicht nur schon bald für die Figuren, sondern auch für den Leser. Der Kontrast von hier zu damals… Das erschüttert nachhaltig.

Das beschreibt es womöglich am besten. Ich war nach der Lektüre von Timeline nachhaltig erschüttert, und es wird wohl lange kein Science-Fiction Roman an diesen hier heranreichen. Unfassbar.

 

Buchinformation
Michael Crichton: Timeline – Eine Reise in die Mitte der Zeit; Roman
Aus dem Amerikanischen von Klaus Berr
Goldmann Verlag, 1. Auflage Taschenbuch 2002
ISBN: 3-442-45122-1

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