Auerhaus – Bov Bjerg

Intensives Bangen um ein Leben, das nicht gelebt werden will. Das ist wohl die passendste Beschreibung dieses Romans von Bov Bjerg. Doch so einfach ist es dann doch nicht. Es ist das Ringen um Luft von einigen jungen Leuten, die das Leben an sich vorbeirasen sehen müssen und nicht in der Lage sind, alles selbst in die Hand zu nehmen. Nicht unfähig, doch verwirrt, einsam, gemeinsam. Alle diejenigen, die im letzten Schuljahr zusammen ins Auerhaus ziehen, um ein Auge auf den selbstmordgefährdeten Frieder zu haben, sind auf ihre Art und Weise kaputt. So wirkt es und so fühlte ich es. Der eine im Kopf, der andere im Herzen. Jeder von ihnen ist anders und will es sein.

Dieses Spiel kennt man schon von John Green mit seinen Jugendromanen, die zum großen Hit avancierten, ist dann dieser hier anders, oder ebensolcher Hipsterkram für besondere Jugendliche? Im Prinzip ist es das gleiche Spiel. Eine junge, dynamische Gruppe, die gemeinsam den Sinn des Lebens finden muss, um weiter machen zu können. Um Frieders Willen, mehr oder weniger. Denn auch die anderern brauchen einander, die eine mit der zerrütteten Familie, die sie nach Amerika schicken will, die andere mit dem Drang, Liebe nicht wie einen Kuchen zu teilen, sondern, sie wachsen zu sehen, wieder eine andere, die das Bedürfnis verspürt, etwas abzufackeln. Alles besondere Charaktere, die nicht ohne Sinn auskommen und also gemeinsam suchen müssen, im neuen Zuhause, dem Auerhaus.

Das ist die Hauptsache für alle: Zuhause sein, gemeinsam sein. Solange es sein muss, solange sie alle nicht ohne einander auskommen. Gemeinsamer Blödsinn, gemeinsame Abende, unendliche gemeinsame Gespräche bei schier unendlichem Wein. Sie genießen ihre gemeinsame Zeit, denn sie alle haben diese Angst im Hinterkopf, dass sie nicht mehr als ein Jahr zusammen gemeinsam sein können. Dennoch; Sie lernen schnell, wie eine kleine Familie zusammenzuwachsen, eine schräge Hippiefamilie vielleicht, aber eindeutig eine Familie.

Anfangs dachte ich, die Sprache des Romans würde mich daran hindern, die Geschichte genießen zu können. Ich dachte an all die Schund-Jugendromane, die es in der Buchwelt zuhauf gibt, doch, da bin ich mir sicher, dieser ist keiner von diesen. Liebevoll skizziert Bjerg eine eigene Welt des Auerhauses, einen sicheren Ort für all die aufgeballten Gefühle, die wohl jeder junge Mensch mit sich herumträgt. Zukunfstängste, Existenzfragen, die Infragestellung des eigenen Werts, er tastet sich an die erste Liebe heran, an Schuldgefühle, an Verlustängste. Man kann nicht anders, als an sich selbst zu denken. Haben wir nicht alle diese Stimme im Kopf, die uns sagt, wie fragil alles ist? Dass nur eine einzige Entscheidung das Leben von einer ganzen Gruppe vollständig verändern kann? Hatten, und haben, wir nicht alle unbändige Angst vor dem, was uns erwarten könnte, wenn wir erwachsen sind? Was aus uns wird? Wer wir sein werden? Warum?

Meiner Meinung nach hat Bov Bjerg hier ein starkes Stück hingelegt. Klug, witzig, rührend, herzzerreißend, mit dauerhaftem Ohrwumpotenzial (Our House) Empfohlene Lektüre für alle Sinnsucher und John Green Fans.

 

Buchinformation:
Bov Bjerg: Auerhaus; Roman
aufbau taschenbuch, 1. Aufl. 2017
ISBN: 978-3-7466-3238-4

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