Joris

Ein Musiker und für manche wohl auch ein Poet. Für mich ist er, Joris, kein Lyriker, denn mit einem Lord Byron oder einem Rilke kann er es natürlich nicht aufnehmen. Ist er deswegen aber kein Autor, den man ernst nehmen sollte?

Was ist überhaupt ein Autor, und wer benennt sie so? Weil ich hier auf meiner eigenen Ideensammlung bin, darf ich wohl mit Fug und Recht sagen, was ich will und jeden so nennen. Ein Autor ist für mich jeder, der sich traut, einen Stift in die Haut zu nehmen und sich mit Worten auseinanderzusetzen. Das heißt für mich, dass nicht jeder, der schreiben kann, also automatisch ein Autor ist, im Gegenteil. Man braucht so viel mehr, um ein Meister des Wortes zu sein, jemand, der in der Lage ist, mit dem Wort auf die eine oder andere Weise zu spielen. Der wahre Autor weiß, wie er schreibt. Vielleicht reicht das aus?

Ich finde schon. Also ist auch Joris für mich ein Autor, ein Künstler allemal. Wer ist dieser Joris? Ein deutscher Musiker, ein Singer/Songwriter wie die jungen Kids heutzutage sagen, jemand, der sich mit einer Gitarre vor eine Menschenmasse stellt, die alle seine Lieder mitsingen. Nun gehört einiges dazu, um in der unseren Zeit etwas Großes zu bewegen, wie eines Menschenauflauf dazu zu bringen, schief und falsch selbstgeschriebene Lieder zu singen. Ich gebe zu, dazu ist keineswegs eine schriftliche Handfertigkeit erforderlich, man besehe sich einmal nur die Namen aktueller Chart-Hits, doch nicht nur Bob Dylan ist ein Zeichen dafür, sich ernster mit den Texten zu befassen, die so viele junge Leute frei aufsagen können. In Zeiten des Lyrikschwunds muss man doch in der Musik die Poesie finden können, die die Generationen spalten wird, oder sollte das nicht möglich sein?

Für manche sind die meisten deutschen Liedtexte an die Teenager ihrer Erfolgsjahre gebunden. Nicht jedes Lied funktioniert auch ohne Musik als eine andere Form des Gedichts. So aber doch einige des Musikers, von dem ich hier sprechen möchte.

Ich hab kein Mitleid für mich selbst, viel zu selten für dich.
Die letzte Brücke gesprengt, die letzte Grenze in Sicht.
Zwischen Hunderten von Leuten, fühl mich trotzdem allein,
Steh in unsichtbaren Mauern, zwar geborgen, doch klein.
Bin verloren im Sein.

Vor fünf Minuten gekommen, fühl ich mich eigentlich nach gehen.
Den blöden Job nicht bekommen, doch eigentlich wollt ich nur den.
Vermiss im Winter die Wärme und im Sommer den Schnee.
Fällt mir fast nicht mehr auf, wenn ich im Sonnenschein geh. I
m Sonnenschein steh.

Wenn der Himmel bricht, mir so vieles verspricht.
Kommt der Zweifel in mir, ich hab’s erlebt, ich war schon hier.
Und wenn’s am schönsten ist, ich nichts mehr vermiss, dann nehm ich Reißaus und reiß aus.

Ich bin viel zu träge, trotzdem lauf ich zu schnell.
Bin im Tag reichlich dunkel, in der Nacht viel zu hell.
Ich hab noch so viel zu sagen, indes find ich kein Wort.
Will doch nur noch nach Hause und es trägt mich weit fort, nur weiter hinfort.

Wenn der Himmel bricht …

Jetzt steht meine Welt still, seit Donnerstagabend.
Bitte öffne die Augen und nimm mich in‘ Arm.
Atemmaschine und Herzgerät, plötzlich hat die Welt für dich zu schnell gedreht.
Aufwärts, in ein unbekanntes Land.

Und was wichtig schien, hab das niedergeschrieben.
Fühlt‘ mich so oft in Not, schau ich zurück, lach‘ ich mich tot.
Weil’s mich selbst auffrisst, ich dich so vermiss.
Glaub’s mir, das ist es nicht wert.

Wenn’s am schönsten ist und du nichts mehr vermisst,
dann mach die Augen auf.

Auch wenn ich vielleicht die Melodie in meinen Ohren klingen höre, heißt das nicht, dass mich das beeinflusst, den Text mehr oder weniger als solchen zu schätzen. Er spielt mit der Sprache, nicht zu viel, dass es gesungen unverständlich würde, doch ebensoviel, dass es gelesen zum Rätsel werden kann. Was ist gesungene Poesie mehr? Ich fühle mit ihm, bin erfasst von seinen Sätzen und spüre, dass das kurzgefasste mir etwas zu vermitteln vermag. Und so geht es mit vielen, vielen seiner Lieder, er hat es im Blut, anzusprechen, was uns alle umfasst, uns allen ein kleines Geschenk zu machen, mit dem, was er da geschrieben hat.

Man sagt, es ist nicht alles Gold, das glänzt.
Ich sage, es ist alles Poesie, das berührt.

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