Natürlich, nein danke?

Nach einigen Gedanken, die ich mir gemacht habe, nach so vielen Dokumentationen, die es auf diesem Planeten gibt, nach so vielen verdammten Empfehlungen von gehyptem Schund überall auf der größten Sharing-Plattform Internet, möchte ich einmal ein persönliches Machtwort sprechen (und ein bisschen unter die Verschwörungstheoretiker gehen).

Ich bin nur ein junger Mensch, ohne große Ausbildung, ohne den großen Wissens-Schatz eines Mittdreißigers, vielleicht ein zu junger, unerfahrener Erdenbesucher. Dennoch möchte ich ein einziges Mal fragen, wer darauf gekommen ist, dass eine Chemiebombe besser für unseren Körper ist als eine einzige, reine Zutat? Wer hat uns Menschen das angedreht, dass alles, was gut ist, nur plastikverpackt in Drogerieläden in der Innenstadt für teuer bezahltes Geld zu bekommen ist? Wer brachte uns bei, dass unser Körper Hilfe braucht, unsere Natur unterstützt werden muss, von Amateuren wie der Kosmetikindustrie? Wer befahl den Frauen, sich von ihrer Natur, so weit es eben möglich ist, zu entfernen, bevor sie hübsch aussehen können?

Solche Fragen beschäftigen mich. Ich will wissen, wer den Zeitgeist in diese Richtung gelenkt hat, will Beweggründe verstehen und endlich ein klares Bewusstsein schaffen. Natürlich bin ich selbst ein Werbeopfer, sehe schöne Bilder und will haben, haben, haben. Dennoch habe ich versucht, mich zu ändern und zu zügeln, alles zu hinterfragen und sehe meine Fehler, wohingegen andere es als irrelevant betrachten, mich sogar verständnislos ansehen werden.

Weil es gerade mein Bezugthema ist, gehe ich hierin nun mehr auf ein spezielles Thema ein, als auf andere, verwandte Themen: auf die Kosmetik, speziell Hautpflege.

Kennt ihr diese Apps, die es seit Jahren gibt, die einem die Inhaltsstoffe anzeigen und sogar bewerten, inwieweit sie schlecht für unseren Körper, teilweise sogar bedrohlich für unsere Gesundheit, sind? Sobald ich eine entdeckte in diesem Fall war es „Codecheck“, überprüfte ich alle meine Kosmetika, also Hautcremes, -fluide, Haarpflegemittel, Seifen, Luxusgüter also, und erschrak fürchterlich. So sehr, dass ich am nächsten Tag sofort in die nächste Drogerie rannte und alles ersetzte, was mit dem roten Kreis gebranntmarkt war. Ich empfand es als Beleidigung, meinem Körper so lange so zugesetzt zu haben, nur um in den Standard zu passen. So etwas beginnt heutzutage unfassbar früh in der Entwicklung. Bei mir schon, bevor die ersten Pickel meine Pubertät einläuteten. Ich gebrauchte Seife, Gesichtswasser und Creme wie einen Trend, wenn auf der Verpackung stand, dass es für junge Leute gemacht ist, dann sollte jeder junge Mensch diese Produkte auch gebrauchen, nicht wahr? Heute finde ich das etwas absurd, aber früher wäre es mir tatsächlich peinlich gewesen, keine „hautverbessernden“ Mittelchen im Schrank stehen zu haben. Und niemand sagte mir damals, dass die Pickel kommen würden, mit oder ohne Wunderheilmittel. Als ich also nach meinem Impuls-Rettungseinkauf nach Hause kam, sprach ich kurz danach mit meiner Mutter. Sie verstand nicht, weshalb ich mir diese überteuerten Naturkosmetika zugelegt hatte und ich konnte meine Blitzentscheidung noch nicht richtig begründen, also zeigte ich ihr die App und überprüfte mit ihr die Hautcremes, die sie seit Jahren für ihre Haut verwendete: Sie waren teilweise verdächtigt, krebserregend zu wirken.

So etwas meine ich. Jahrelang schmieren wir uns so etwas in Gesicht und erhalten dafür diese bittere Rechnung. Doch lassen wir die Masche der Chemiker in den Kosmetikindustrien, à la Hauptsache es ergibt sichtbare Resultate ungeachtet der Gesundheit, erst einmal wieder beiseite. Wir denken grundsätzlich, niemand kann unsere Haut (und unseren Körper) besser einschätzen, als wir selbst, am besten jedoch können die meisten es nicht etwa nach Gefühl, was diese Einschätzung suggeriert, sondern eher nach dem Schema F, so beispielsweise nach fettig-Misch-trocken-sensibel oder nach fettig-trocken-splissig-voluminös-spröde etc. etc.. Doch weshalb können wir nicht mehr selbst einschätzen, wie sich unsere Haut oder unser Haar anfühlt? Genau das gleiche mit unserem Körper, wir brauchen heutzutage Leute, die sich mit unserer Gesundheit auseinandersetzen, die uns sagen, was gesund, was schlecht und gut ist, wir brauchen kurzum die Vorsager, die schon in der Schulbank neben uns saßen und uns die Fehle auf den Blättern gezeigt haben. Doch unsere Befindlichkeit ist keine Schul-Mathematik! Wir sollten doch  selbst erfühlen können, dass wir nach all dem Fast Food wieder Gemüse, Obst, Vitamine und Kraft brauchen. Wir sollten doch in der Lage sein, gesund sein zu wollen, nicht zu müssen.

Ich verstehe diese Trends nicht. Dieses Low-Carb, Low-Fat, Low-Alles, Diäten, die einem nichts mehr erlauben, außer Protein, Masse-Phasen und Cheat-Days. Wenn es heute nur noch um unser Aussehen geht, mit dem unsere Ernährung zwangsläufig verbunden ist, sehe ich schwarz für die Gedankengänge, die in den Köpfen auf den perfekt konturierten Körpern sitzen. Ebenso dieser „Trend“ (man lese dieses Wort in triefenstem Sarkasmus) Gesundheit. Die Models mussten es uns vormachen, bevor wir glaubten, dass gesund sein vorteilhaft ist (womit ich nicht sagen will, dass Models gesunde Vorbilder sind). Gesundsein fängt im Kopf an und zeigt sich im Körper, eigentlich. Aber dennoch beweisen wir jeden Tag, dass wir nicht den Kopf im Sinn haben, sondern nur unsere blödsinnig aufgetakelte Hülle, indem wir Kosmetika auf unsere Haut schmieren, die unsere Hautalterung verschnellern statt sie aufzuhalten? Wir sind frustriert, weil sich kein langfristiges Ergebnis zeigt. Weil wir immer noch nicht auf uns selbst hören, statt auf die gehypten Coaches und Internet „Beauty-Gurus“.

Unsere Haut ist Sinnbild unseres Selbst, da werden mir einige zustimmen. Und das hier ist keine explizite Werbung für Naturkosmetik, aber definitiv eine Antiwerbung für nicht natürliche Kosmetika. Denn was steckt drin, wenn nicht Natur? Richtig, Chemikalien. Was ist also eine Alternative, die nicht allzu sehr ins Geld geht? Wollen wir einfach nichts an unsere Haut lassen? Es ärgert mich nicht, dass Menschen sich zu viel um ihre Haut kümmern. Sich um seiner Selbst Gedanken zu machen, ist ein großer Schritt in eine richtige Richtung. Aber, und dieses „aber“ ist ein wichtiges, nicht alles sollte unsere Haut strapazieren dürfen. Warum bemühen wir uns nicht um das beste für unsere Haut und damit für unseren Körper und deshalb wiederum für Uns. Selbst. Denken wir einmal darüber nach, was an unsere Haut darf, wie viel wir benötigen, um sie ausreichend zu pflegen. Wie viele Schritte brauchen wir, denken Sie? Und wie viele Zutaten, denn selbst Kosmetik herzustellen, ist doch sehr aufwendig. Denken Sie das? Ich sagen, wir brauchen in unserem Gesicht, wenn überhaupt, nur eine Zutat. Reine, naturbelassene Öle. Überraschung, wieder ist das böse Feindbild Fett in Ihren Köpfen erklungen, oder? Sie denken, nein, bei fettiger Haut kann ich nicht noch mehr Fette auf meine Haut lassen, das geht nicht gut aus. Wenn Sie das denken, haben Sie sich nie wirklich mit sich selbst und Ihren Bedürfnissen auseinandergesetzt. Nein, Fette machen unsere Haut nicht fettig, spezielle Fette tun das, tierische Fette, wie in Butter zum Beispiel. Nähern wir uns guten, für die Behandlung unserer Gesichtszellen geeignete Fette, wie sie in Kokos- oder Hagebutten-Öl zum Beispiel zu finden sind, werden Sie überrascht sein, weshalb die ganzen Fabrikanten a) niemals konstant diese Reinheit vertreiben und b) überhaupt noch weiteres beimischen. Sie werden vielleicht schnellere „Resultate“ bemerken, und das bezieht sich einmal nicht auf das reine Äußere. Das Fühlen und das Gefühl wird sich verändern und Sie wieder ein wenig für sich selbst sensibilisieren. Das hoffe ich.

Noch ein kleiner Denkanstoß, weshalb nicht die Reinheit eines Öles vertrieben werden kann, jedenfalls nicht als neues Projekt eines modernen Großkonzerns: In jeder Fabrik steckt ein Marketing-Team, das uns das Neueste oder Trendigste andrehen will. Wenn aktuell kein Trend zu Reinheit tendiert, sucht man behände nach neuen Alternativen, immer neu, neu, neu, immer anders, besser, schneller, weiter. Da kann man keine Universallösung bieten, dann wäre das Geschäft doch schon vor hunderten von Jahren vor die Hunde gegangen. Mit diesem Wort zum Sonntag, hoffe ich, niemanden allzu verstört, und auch niemanden angegriffen, zu haben. Das musste einfach einmal im Ganzen hinaus in die Welt. Vielleicht liege ich ja vollkommen falsch, wie sieht das die Welt? Bitte, das Thema liegt mir sehr am Herzen, gerne diskutiere ich in den Kommentaren, vor allem mit Leuten, die andere Erfahrungen gemacht haben.

 

Die wortesammlerin.

 

Übrigens noch eine kleine Empfehlung: Die Reihe von selbstgemachter Kosmetik von Lauren Singer, zum Beipspiel, die selbstgemachte Bodylotion.

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