Frankfurter Buchmesse 2016

Unglaublich. Ich bin erschöpft bis auf die Knochen, habe in den Stunden, die ich auf dem Messegelände in Frankfurt verbrachte, bestimmt hunderte Male die Menschen verflucht, die in den Gängen stehen blieben, nur um selbst zwei Minuten später fasziniert stehen zu bleiben wie ein kleines Kind vor dem Puppentheater (das unter anderem tatsächlich auch vertreten war!). Ich hasste und liebte die riesigen Hallen, verstand erst die Ordnung nicht, in der sie zu erreichen waren und bewunderte, nachdem ich die Organisation durchblickt hatte, die Verantwortlichen für ihre offensichtliche Begabung. Selten sieht man so viele und doch so wenige Menschen auf einem Haufen, organisiert bis auf die kleinste Bewegung jeder Fliege im Raum.

Jetzt aber mal ehrlich. Ich bin offenkundig beeindruckt von dem Konzept der größten Buchmesse der Welt. Benedict Wells war da, Isabel Abedi, Connie Palmen und Simon Beckett, um nur wenige große Namen zu nennen. So viele interessante Vorträge zu so vielen, unterschiedlichen Themen waren hier zu finden, zum Beispiel auch eine Besprechung des Themas Booktube und Literaturblogger (die ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte), es gab Fragerunden zu Self-Publishing, zu Freiem Lektorat, zur Zukunft des Buches, zu Veröffentlichung eines E-Books als eine Art Beta-Test-Phase eines Romans, zu neu erschienen Büchern, es gab Lesungen zu den unterschiedlichsten Buchgenres, auch solchen, die es normalerweise nicht ins Rampenlicht der Öffentlichkeit schaffen, wie Reiseliteratur oder Sachbücher. Zum ersten Mal sah ich eine Synchron-Stimme vom Internetdienst audible live einen Romanausschnitt performen, etwas, das ich schon immer mal mit meinen eigenen Augen sehen wollte, und dann auch noch von einer Stimme, die man immer (wieder-)erkennt. Vor allem die Hallen 3 und 4 möchte ich als Tipp für zukünftige (Freizeit-)Besucher anpreisen, unter anderem fand man dort auch eine Gesprächsrunde von arte mit den Preisträgern des deutsch-französischen Jugendliteraturpreises, der jedes Jahr an zwei (einen deutschen und einen französischen) Jugendbuchautoren vergeben wird, außerdem Vorstellungsrunden der Autoren und ihrer Literatur, die zum Deutschen Buchpreis 2016 nominiert waren, der auch jedes Jahr zum Auftakt der Buchmesse verliehen wird (dieses Jahr übrigens an Bodo Kirchhoff). Die großen, renommierten Verlage sind natürlich jedes Jahr vertreten, aber ebenso kleine, unabhängige und junge Ideen, die alles immer ein bisschen frischer wirken lassen. Man findet unglaublich viel Inspiration in so viel offensichtlicher Buchhingabe, zumindest ging es mir persönlich so, die Vereinigung der Bücherwürmer findet sich alljährlich in Frankfurt zusammen und zelebriert ihre Leidenschaft, wenn ich es so melodramatisch ausdrücken darf. Vielleicht ist es auch ein bisschen dieses Gefühl der Verbundenheit, das jedes Jahr Tausende, wenn nicht Millionen Menschen in die hessische Metropole lockt und diese Woche immer wieder zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.

Tipp an zukünftige Besucher, die zum ersten Mal Besucher sein wollen, nächstes Jahr, wenn Frankreich 2017 Ehrengast sein wird: Macht euch einen ausführlichen Plan, welche Vorträge ihr sehen wollt, welche Hallen ihr wie erreicht und geht nicht in einer zu groß geratenen Gruppe. Die Messe kann wunderbar sein, wenn man weiß, was man sehen, wen man treffen und was erfahren will. Die schier unendlichen Möglichkeiten, die sie rund um das Buch bietet, können schnell zu einer Art Möglichkeitenkarussell ausarten und man kann die Diversität nicht mehr so genießen, wie man sollte.

Die Frankfurter Buchmesse, für mich der wahr gewordene Traum eines Bücherwurms, wie habt ihr sie dieses Jahr empfunden? Schreibt mir doch gerne Kommentare, das Thema Buchmesse ist ja doch eher Geschmackssache, oder etwa nicht?

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