Journalistische Umfrage

Der Deutsche Journalisten-Verband definiert die Arbeit von Journalisten auf eine sehr charakteristische und zielgeleitete Art und Weise, sie nennen es „[Hauptberufliches Arbeiten] an der Verbreitung und Veröffentlichung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Massenmedien“. Die genannten Massenmedien sind Radio, Fernsehen, Werbung und Printmedien wie Zeitungen und Zeitschriften, letztere sind dabei m.E. stark zu unterscheiden, wenn auch Überschneidungen möglich und nötig sind. Ich mache mir Sorgen. Ich persönlich, als weltgescheheninteressierter Bürger deutscher Nationalität, mache mir Sorgen um die Informationslieferung und Neutralität der deutschen Presse.

 

Als kurze Einleitung zu dem mir wichtigen Schwerpunktthema möchte ich das Fernsehen ansprechen. Es ist kein Geheimnis, dass dieses entweder vom konservativen Staat oder von werbeträchtigen Privatsendern dominiert und geleitet wird, eine Problematik, derer man sich im Alltag nicht bewusst ist und wahrscheinlich niemals zu jeder Zeit sein kann. Wir schalten den Fernseher an und schauen in eine andersartige Welt, und können nicht durch das kleine Nebenfenster sehen, das uns die Sicht versperrt auf die politische und kapitalistisch orientierte wirtschaftliche Ausrichtung und Absicht im generellen Sinne, bezogen auf uns und unser eigenes Leben. Wir erleben tagtäglich Meinungsausspeie und lassen uns mit ihr zur Entspannung berieseln. Dabei reicht der Kosmos von politischer Manipulation bis zu sozialen Ausrichtungsvorgaben, die als tugendhaft und moralisch richtig oder falsch angeprangert wurden, ohne Erklärung(sversuche). Ich bin ehrlich, das tue ich auch, eben weil man nicht tagtäglich mit dem Ernst des Lebens konfrontiert werden will und dieses Nichtstun einem passiven Lebensstil am nächsten kommt, der einfach und bequem ist, allerdings zu keinem Ergebnis führt. Im Gegenteil, dieser unaufhörliche Input von Informationen in das entspannte Hirn, das keine Meinungsmache erwartet und nichts Böses ahnen will, kontrolliert das Denken in einem Maße, wie es das aufmerksame Alltagsleben nicht vermag.

 

Denn wichtig ist: Erwarten wir einen Eingriff in unsere persönliche Gedankenwelt durch Beeinflussung, scheinbar schlüssige Argumentation oder offensichtliche Manipulation, rüsten wir uns gegen eine eventuell gegenteilige Meinung. Zumindest manche tun das. Diejenigen, die das nicht tun, sind übrigens bei mir in meiner Ideensammlung fehl am Platz. Ich verlange es, meine Aussagen zu reflektieren, nicht zu adaptieren. Zu bemerken, dass das eigene Denken nur durch das kleine Fenster im Wohnzimmer gelenkt werden kann, auf solch banale Weise, so einfach und unbemerkt, sollte zumindest nachdenklich stimmen. Oder wütend. Und das ist nur das deutsche Fernsehen, mit manchen ausländischen Firmen möchte ich gar nicht anfangen, das würde diesen Rahmen und meinen Kragen sprengen.

 

Mein eigentlich anzusprechendes Thema, bezogen auf die Meinungsverbreitung in den Medien, ist der heutige Journalismus speziell in den seriösen Printmedien. Nicht nur die lokalen Zeitungen, ich beziehe mich auf nationale, nennenswerte Größen, denen ich mich weigere einen Stellenwert durch Erwähnung zu schenken, sehe ich weniger und weniger und weniger Informationen, Fakten, Neutralität, Abstand. Mir ist es vollkommen egal, blumig zu umschreiben, wenn es um einfache Dinge geht, schlecht zu recherchieren, welcher Prominente mit wem zusammen ist, denn sind wir mal ehrlich, in diesem Genre interessiert sich niemand für die Realität. Aber über die Übertretung der Privatsphäre der sogenannten Stars möchte ich nicht anfangen zu sprechen, das und zusammenhängende Themen sind einen eigenen Artikel wert.

 

Um was es mir geht, sind die politischen, wirtschaftlichen und für uns relevanten Themenbereiche, diejenigen, die mein Leben verändern können, die Macht verleihen und in denen eine Meinung des Journalisten deplatziert sein sollte. Warum, fragen Sie sich? Simpel zu beantworten, an einem aktuellen Beispiel. Das, über das niemand mehr wirklich sprechen will: Die Attentate in Paris. Der 13. November soll der neue 11. September sein, Krieg wird deklariert, die europäische Sicherheit widerrufen und die deutsche Kanzlerin zur französischen Unterstützung auf Militärbasis aufgerufen. „Die Deutschen“, eine Generalisierung mit bitterem Beigeschmack, wenn ich das so sagen darf, seien Kriegsverbündete Frankreichs, unsere Hilfe sei vonnöten und ein Ignorieren sei ein Akt der Feigheit und Rücksichtslosigkeit. Den Angriff auf die Stadt des Lichts (die reinste Ironie) wird ein Kriegsakt, Europa solle sich rüsten, Politiker sollen sich endlich freimachen von „in Krisenzeiten nicht mehr aktuellen Ansichten“ von vor dem 13. November. Vergleiche werden gezogen und Al Qaida mit dem Islamischen Staat zur Vereinfachung vereinheitlicht. Alles Terroristen, wo ist schon der Unterschied? Diese Frage wird sich wohl häufig gestellt in heutigen Redaktionen, und zumeist mit einem gleichgültigen Schulterzucken beantwortet. Überhaupt, ist es nicht richtig, was die Vereinigten Staaten in Afghanistan gemacht haben? Ist Rache etwa nicht richtig? Blut für Blut, schreit es aus allen Ecken. Stopp!

 

Was soll das?

 

Ich sehe kaum mehr Fakten in den Artikeln. Ich sehe die Wut, ich sehe Emotionalität, wo ich Informationen suche. Ich sehe unendliches Bekenntnis zur politischen Ausrichtung des Autors, vielleicht willentlich von ihm oder ihr, aber sinnvoll ist es nur begrenzt. Ich möchte eine Sache klar zum Ausdruck bringen. Jemanden weinen zu sehen, heißt nicht, den Grund für die Traurigkeit zu verstehen. Jeder kann mitfühlen, jeder versteht die aufkeimende Angst und plötzlich macht sich jeder Sorgen. Ich möchte eine Frage stellen, die ich mir in letzter Zeit viel zu oft stellen muss: Warum fühle ich mich so? Weil ich wahrhaftig wütend und verängstigt bin, weil alle wütend sind oder weil ich wütend sein sollte? Scheinbar bin ich die einzige, die diese Fragerei beschäftigt.

 

Denn allein die Pariser Attentate sind scheinbar ein Anlass für die Masse an „Journalisten“, ihrem Beruf keine Ehre mehr zu machen und reines Gefühl, befreit von Fakten (Aristoteles lässt herzlich grüßen) an ihre Leser weiterzugeben. Ich fühle mich heutzutage, als würde ich einen Schundroman lesen, ein Massenprodukt, eine Zeitschrift, eine Art Bravo mit Fachvokabular. Wo bin ich gelandet, dass kein Wert mehr gesetzt wird auf simple Berichterstattung ohne literarisch anmutende Ambitionen? Der Großteil der Artikel ist nach diesem Schema auszurangieren, in den Kamin zu werfen, aber, noch wichtiger, nicht zu vergessen.

 

Nutzen Sie die Meinungsmache und weigern Sie sich, alles zu glauben, das lauwarm serviert wird, sei das Porzellan auch noch so alteingesessen. Diese flache Metapher sollte verständlich genug sein, aber noch einmal: Indem die Ausspeie an sinnlosen Informationen auf einen klaren Verstand trifft, der in der Lage ist, Zusammenhänge zu definieren und zu differenzieren, entmachten viele Jemande zusammen die einzelne Auffassung eines privaten Propagandisten. Machen Sie bitte Immanuel Kant stolz und trauen Sie sich, sich Ihres gesunden Verstandes zu bedienen. Lieber ihn, und nicht die Presse. Übrigens, ich übertreibe, ich darf das. Ich bin nicht aus deren Branche.

 

Ich bin die Wortesammlerin.

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