Schönheit, hinterfragen?

Mädchen, und natürlich manchmal auch Jungs, unserer modernisierten Generation stellen sich häufig Fragen. Manche von ihnen hinterfragen das Denken der Eltern, verteufeln ihren Geschmack und ihre Regeln. Andere fragen sich nur, was sie heute Morgen anziehen sollen und welcher Mascara der Beste ist. Wieder andere hinterfragen die Regeln unserer Gesellschaft und unsere Traditionen. Doch eine Frage steht bei beinahe allen jungen Menschen tagtäglich auf und in ihre Stirn geschrieben:

Bin ich schön?

Wir leben in einer Generation des Selbsthasses, die übelste Form der Selbstmisshandlung, hervorgerufen eben nicht nur über die bösen, bösen Medien. Wir sind eigentlich alle selbst verantwortlich dafür, zu verachten, was wunderbar ist, bis es uns zerfrisst. Jetzt vermögen einige aufzuschreien, Lüge! Die Medien zeigen uns dünne Frauen, als Ideal heraufbeschworene Skelette, die unsere Kinder entmündigen und entmutigen. Die Bilder in den Magazinen von selbstbewussten, jungen Mädchen in einem Hauch von Nichts, Heidi Klum und ihre staksige Gefolgschaft unterstreichen unsere Minderwertigkeit und trampeln mit Bildern von Fast Food auf unserem Selbstwertgefühl herum, indem sie unsere Disziplin in den Schatten stellen. Wir fühlen uns schlecht, und ich sage Ihnen, ich gebe es zu, es macht mich wütend, wie sie mit ihrer Vorbildfunktion umgehen, aber ich stelle die einzig sinnvolle Gegenfrage: Wer macht sie denn zu den Vorbildern, die sie sind? Es sind natürlich wieder die Medien, die Schimpftirade geht von vorne los, ein Teufelskreis. Darf ich Ihnen etwas anvertrauen, das Sie schockieren könnte?

Wir sind die Medien. Das sind nicht die großen Konzerne, Sender oder Verlage, es sind unsere Interessen, die uns mit Informationen füttern, die wir gegebenenfalls gar nicht haben wollen, doch sie zeichnen uns aus, bewusst oder unbewusst. Wer würde denn noch eine Sendung ausstrahlen, die niemanden interessiert? Wer würde provokante Magazine abdrucken lassen, wenn diese niemand kauft? Wer könnte noch als Lebenscoach sein Geld verdienen, wenn alle gut zurechtkämen?

Die nächste Frage ist jetzt wohl, was man dagegen tun kann. Oder die Sinnfrage, was das damit zu tun hat, ob man sich selbst schön findet, schließlich bleibt Interesse doch immer nur Information, oder etwa nicht? Ich kann beides sehr einfach  beantworten. Nichts. Wir tun nichts dagegen und somit hat es nichts damit zu tun. Das ist die effektivste Sichtweisenmethodik, sich nicht mehr zu hassen für das, was andere einem eintrichtern. Ich flehe meine Leser an, sich hier und jetzt einmal die Frage zu stellen, was sich ändern würde, wenn man den Körper wirklich nur als Hülle betrachten könnte, als Schatzkiste eines wertvollen Edelsteines. Sehen Sie einen Edelstein in sich? Oder einen alten, moosbewachsenen Steinbrocken? Was sehen Sie, wenn Sie die Augen schließen und nicht daran denken, welche Kette Sie gerade tragen wollen und welchen Pullover Sie noch nicht haben, aber noch besorgen müssen? Wen wollen Sie darstellen? Und wenn das Bild da ist, ohne Manipulation Ihrer selbst, wenn Sie eine Darstellung von sich selbst im Kopf haben, dann haben Sie etwas falsch gemacht.

Sie sehen sich selbst grundsätzlich als visuell wahrgenommenes Individuum in einer Masse. Noch eine weitere Frage: Wer sind Sie, wenn Sie umringt sind von blinden Menschen? Wie beschreiben Sie sich? Versuchen Sie einmal, nicht andere von sich überzeugen zu wollen, sondern sich selbst verständlich zu definieren, ohne wirkliche Intention dahinter. Wer sind Sie ohne Spiegel?

Ein weitere Fehler: Wir zählen nun unsere Schwächen auf,  die Fehler, die man macht, so wie ich es gerade unablässig bei Ihnen tue. Ich sage Ihnen, was Sie meiner Meinung nach falsch machen, ohne selbst eine Ahnung zu haben, wer vor mir steht. Ich weiß nicht mal, ob Sie stehen oder sitzen. Das ist mir ehrlich gesagt ziemlich gleich. Hören Sie auf, die Fehler und Schwächen aufzuzählen und seien Sie einmal, für diesen kleinen Moment, neutral zu sich selbst. Verurteilen Sie nicht, versuchen Sie einfach nur zu erkennen, wer diese Stimme in Ihrem Kopf eigentlich ist.

Ist das meine eigene Stimme oder reines Nebengeflüster?  Ich weiß, ich stelle gerade sehr viele Fragen, aber ich giere selbst so lange nach einem Licht im Dunklen, um mich theatralisch auszudrücken. Suchen Sie Sinn, Aufklärung, Verständnis für sich selbst. Suchen Sie sich eine Stimme, die auch mal schweigen kann, wenn es wichtig ist. Und die aufschreit, wenn noch mehr auf dem Spiel steht.

Sagen Sie, dass das alles andere ist, als nichts zu tun, wie ich es anfangs vorschlug? Ich widerspreche voller Inbrunst. Sie haben die Möglichkeit vor Ihnen, sich nichts vorzuwerfen und sich auch nichts vorwerfen zu lassen. Die haben Sie schon immer, aber nutzen Sie sie ausreichend? Leben sollte doch bedeuten, sich selbst zu finden und Leben ist die Summe unserer Entscheidungen, das sagten schon so viele kluge Köpfe, Philosophen, Literaten. Jetzt sagen das auch Sie! Werden Sie eine gute Entscheidung und entscheiden Sie sich dafür, schön zu sein. Es klingt so einfach, und so ist es auch.

Und wissen Sie woran Sie es merken? Dass Sie neutral zu sich sind, dass Sie gelernt haben, sich schön zu finden, meine Ich. Sie merken es daran, dass Sie andere nicht mehr auf diese Weise bewerten. Sie denken nicht mehr an die Hübsche aus dem vierten Stock, verschwenden keine Gedanken mehr daran, wer die Hübscheste ist in Ihrer unmittelbaren Umgebung und lernen, gleichgültig zu sein, wenn andere beginnen, neu kennengelernte Menschen zu kategorisieren. Es wird leichter, menschlich zu sein. Ich bitte Sie, werfen Sie die Schubladen aus dem Fenster und denken Sie kleiner. Bitte. Versuchen Sie nicht, hübsch zu sein. Versuchen Sie für mich, für Sie, für Ihre Umgebung, Íhre Freunde, ein einziges Mal, nichts zu tun.

Es kann so einfach sein.

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