The Other Side of the Story (Marian Keyes)

Ich muss ehrlich sein, normalerweise mache ich einen weiten Bogen um solche Bücher. Und mit solchen Büchern meine ich auf wild konsumierende Frauen ausgelegte Schundromane, die nur darauf abzielen, den nach Herzschmerz, Niedertracht, Rache und Happy End gierenden Sex-And-The-City-Fanatikerinnen neuen, seichten Gesprächsstoff zu liefern. Ich bin in der Regel dagegen, Bäume zu töten, um simpelste und nicht durchdachte Geschichten zu drucken, die nur der oberflächlichen Unterhaltung dienen. Um noch einmal ehrlich zu sein, dieses Buch ist eines von diesen.

Marian Keyes schrieb ihren Debutroman Watermelon, erschienen 1995, in einem Monat. Ich habe ihn nicht gelesen, dennoch gehe ich davon aus, dass er ebenso simpel ausgelegt ist, wie dieser hier, eine Liebesgeschichte von drei Frauen mit verknüpften Geschichten. Sie schreibt die Art von Romanen, die sich eindeutig an Frauen richten, geschmückt mit Mode, Skandalen und einem leicht feministischen Touch, wobei dieser auch schnell im Geschehen untergeht und eigentlich nur der politischen Korrektheit geschuldet ist. Eine Affäre mit dem Boss, Ausspannen des Freundes der besten Freundin, die Suche nach sexueller Unabhängigkeit, Ehebruch und ein jüngerer Freund ohne feste Bindung. Diese alteingesessenen Themen sind schamlos manipulativ an die Moralapostel in den Herzen der Leserinnen gerichtet und ein wirklich, wirklich alter Hut. Mindestens jede Frauenbücherautorin hat schon einmal diese Themen verwendet und bis zu Erbrechen findet man sie auch in allen anderen Genres. Das ist nichts weiter als Marketingstrategie, denn Keyes schreibt auf Erfolg. Soll heißen, sie ist keine Philosophin oder will wirklich mit ihren ausgeklügelten Phrasen punkten, nein, sie lässt, jedenfalls in diesem konkreten Beispiel hier, ganz einfach ihre Sicht auf die Welt in die Bücher mit einfließen, packt viel autobiographisches dazu und verfeinert mit einem betörend provokativen Charme.

Wichtig zu benennen ist tatsächlich der autobiographische Aspekt: Keyes lässt in jede der drei Figuren eine Mischung aus Idealen einer starken Frau und Schwächen der Realität einfließen, immer vermischt mit einem Stück Wahrheit aus ihrem eigenen Leben, was die Figuren selbst noch realer macht; Der Erfolg gibt ihr Recht. Die Charaktere sind präsent und weichen nicht von ihren Richtlinien ab, wobei doch an einigen Stellen Sinneslücken klaffen, wenn es dann um die menschliche Interaktion geht, das wäre aber eher eine Kritik an den Lektor als an der Irin selbst. Jojo ist die starke Frau auf eigenen Beinen, Lily die zarte Empfindliche mit dem großen Herzen und Gemma die krampfhaft Eifersüchtige auf der Suche nach ihrer großen Liebe. Das hat man auch schon mal gehört.

Wirklich nennenswert ist tatsächlich in keinem Fall der Plot und auch nicht wirklich ihr Stil, beides ist zu simpel gestrickt, um besonders zu sein. Marian Keyes besticht eindeutig mit ihrem Witz, sie ist in der Lage, schwarzen Humor mit luftigleichtem Charme zu verbinden und hat die Kunst des Lächelnzauberns perfektioniert. Das geht von einer kurzen Liebesgeschichte, gewidmet dem Bett, bis zu ihrem Lieblingswort faboulous. Sie kann gute Laune verbreiten wie keine Zweite und macht aus dem traurigen Zerbrechen einer Familie einen Schenkelklopfer.

Vermutlich ist ebendies ihre Intention. Sie will keinen Meilenstein setzen und ihre Intelligenz mit möglichst komplexen Fremdwörtern beweisen, es scheint, als wäre ihr das ziemlich gleich. Wenn ich eine eigene Theorie aufstellen müsste, würde ich sagen, sie versucht, ihre Depressionen damit zu verarbeiten, anderen Leuten das Lachen wieder näher zu bringen, eine Aufgabe, für die ich Marian Keyes sehr respektiere und ihr Talent noch mehr wertschätzen lerne.

(Quelle: Maria Keyes: The Other Side of the Story. Penguin Books, 2004)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s